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Die Tage klingen nach

Foto: Werner Schauß

Text: Helmut Hering

Es war kein einfaches Thema, das in der gut besuchten 5. Gesprächsreihe zu Fragen des Glaubens im Gemeindehaus der Matthäuskirche diskutiert wurde: „ …und das ewige Leben“. Gibt es doch nichts Beweisbares, nichts, was wir wissen können über das Leben oder unser Sein in der Ewigkeit. „Wir haben keine Ahnung“, gestand Prof. Martin, einer der Dozenten, die neben Prof. von Hagen und Dechant Langstein eingeladen waren, sich gemeinsam mit den Teilnehmern an vier Abenden auf die Suche nach Antworten zu begeben.

Herr Prof. von Hagen zeigte vielfältige Spuren in der Bibel auf, machte deutlich, dass Ewigkeit als Gottes Zeit verstanden werden kann. Sie reicht von fern vor unserer Zeit bis fern über sie hinaus, schließt auch unsere Zeit mit ein. Ewigkeit beginnt also im Jetzt, in dem wir in Gottes Gnade leben, in der wir nach dem Tod empfangen werden; es ist die Kontinuität unserer Geschichte, die vor Gott Bedeutung hat. Ähnlich klang es auch bei Prof. Martin, der am dritten Abend seinen Lehrer Moltmann zitierte: Ewiges Leben ist hier und heute.

Nicht, dass in der mühsamen Welt der Begriffe und den schwierigen theologischen Diskursen immer Einigkeit unter den Dozenten bestanden hätte! So wurde aus protestantischer Sicht dargestellt, dass mit seinem Tod der ganze Mensch stirbt, sein Körper und seine Seele. Dechant Langstein hingegen schilderte die katholische Anschauungsweise, nach der nach dem Tod der Leib vergeht und die Seele sich mit einem verklärten Leib bekleidet. Auch er sprach von der Kontinuität, sowohl im Leben als auch nach dem Tod die Freiheit zu haben, sich von Gott loszusagen. Im „Zustand“ des Fegefeuers müssen wir im Bewusstsein einer schweren Schuld den Blick Gottes aushalten, seine Liebe ertragen, wo wir eigentlich Strafe erwarten, sind aber auch frei, uns von dieser Gnade zu trennen. Die „Hoffnungsaussicht“ für den Jüngsten Tag ist, einer Vollendung entgegen zu gehen, der Vollendung der höchsten Gerechtigkeit als Abglanz der Ewigkeit, in der ich bedingungslos anerkannt und geliebt bleibe.

Prof. Martin lenkte den Blick auf den Mystiker Meister Eckhart, der im 14. Jahrhundert die Seele als den göttlichen Teil des Menschen sieht, der gelöst von unserer Zeit die Ewigkeit berührt. Diese Berührung kann der Mensch durch besondere (religiöse) Erfahrungen erleben, in Momenten der Zeitlosigkeit, in Augenblicken, in denen die Zeit stehen bleibt, in denen man sich und alles Weltliche loslassen kann. In diesem Kontakt und der Wechselwirkung zwischen unserer Zeit und der Ewigkeit spielt die Metaphorik des Lichtes eine zentrale Rolle: singen wir doch „… das ewig Licht geht da herein“ und „Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte“ , lesen wir auch in Bericht von Paulus‘ Bekehrung vom Licht, das ihn bei Damaskus in der Begegnung mit Jesus umgab.

In dem Film „An der Schwelle zum Jenseits“, den Frau Pfrin. Kirchhoff-Müller und Herr Pfr. Seitz am vierten Abend zeigten, berichten Menschen mit Nahtod-Erfahrungen vom Gefühl der Zeitlosigkeit in todesnahen Momenten, von einem Bewusstsein und Erleben außerhalb ihres Körpers. Und alle erzählen von einem Licht, von dem sie sich umgeben und aufgenommen fühlten, eine Begegnung, die sie als Gottesnähe interpretierten.

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